Er wurde Feuer und Wasser

Ein Portrait des Schauspielers Yoshi Oida, der seit 1968 in der Gruppe von Peter Brook arbeitet; Feuilleton der SZ, 12./13. Juni 1993

Tränen liefen Yoshi Oida übers Gesicht, als er zum erstenmal auf dem Champs Elysées stand - weniger aus Rührung über la ville jolie, Paris im Frühling: Die Polizei setzte gegen demonstrierende Studenten Tränengas ein. Mai 68, Jean-Louis Barrault, Direktor des Odéon, hatte den jungen japanischen Schauspieler, der weder Englisch noch Französisch sprach, zu einem außerordentlichen Theaterexperiment eingeladen. Mit Schauspielern unterschiedlicher Sprachkulturen und Theatertraditionen wollte Peter Brook herausfinden, wie ein "universales " Theater entstehen könnte, eine Art holographisch-polyphones Theater der Dichte, der unaufhörlich wechselnden Sichtweisen und Stimmen, reich an Bedeutungen, Gegensätzen und Widersprüchen - Späße und Heiliges verbindend, Alltägliches und Geheimes. Spannendes, lebendiges Theater. Die unerschöpfliche Weite von Shakespeares Sturm sollte der Rahmen sein.

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