Madame Lama

Alexandra David-Neél auf Touren; Rezension, SZ vom 28.05.1998

Wer glaubt, wird selig, Endzeitapostel sterben nie aus. Zu verführerisch ist der Gedanke, "an den 'Inseln der Seligen' anzulanden", wie Alexandra David-Neél es ausdrückt. Die 1868 geborene, 1,56 Meter kleine Französin, Tochter einer bigotten Mutter und eines anarchistischen Vaters, war die Abenteuerlust in Person: Schon als Kind riß sie von zu Hause aus, "weil ich entdecken wollte, wie die Welt außerhalb der mir auferlegten Grenzen aussah". Mit 17 marschiert sie von Brüssel aus allein über den Sankt Gotthard ins Tessin, studiert als eine der ersten Frauen an der Sorbonne und am Collège de France Sanskrit und Chinesisch. Nach dem Bankrott des Vaters wird sie Sopranistin an Opernhäusern in Indochina, heiratet in Tunis einen Ingenieur: 3000 Briefe wird sie ihm in 38, meist getrennt verbrachten Ehejahren schreiben.

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