Die Wacht der Frauen

Gemeinsam philosophieren: Julia Kristeva und Catherine Clément; Rezension in der SZ

Die philosophierenden Frauen haben es nicht leicht, auch in Frankreich nicht, dem Land der Aufklärung - schon Molière lässt seine wissbegierigen Préciseuses ridicules gelehrt über "Philosophie" parlieren. Zur kleinen, aber wehrhaften Gattung in diesem Lande gehören seit den Zeiten der (post-)strukturalistischen Literaturzeitschrift Tel Quel die Linguistin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva und ihre Freundin, die Philosophin und Religionswissenschaftlerin Catherine Clément. In ihren Essays und Romanen rühren sie an Unaussprechliches - die Mysterien der Liebe und des Glaubens, die Geheimnisse von Ekstase und Trance; Fremdheit und Identität, Normalität und Wahnsinn. Und immer wieder die Frage nach der Dekonstruktion der (männlichen) Ordnungen durch das subversive Potential des "Weiblichen" - als Metapher für alles Verdrängte, Unbewusste, Unheimliche.