“Mit allen Abenteuern”

Die Elite-Schule Salem demokratisiert sich; SZ

Erinnerung an den Tag, an dem Johann von S., der Längste unserer Klasse, mit dick verbundenen Händen zum Unterricht erschien: er hatte beim "Abseilen" vergessen, die Knoten ins Tau zu knüpfen! "Aussteigen" hieß das Abenteuer lauer Sommernächte, das Schülergenerationen mit Lust erlebten. Gleich duftet es nach frischgemähtem Heu und sattem Waldboden, Forellen (aus den markgräflichen Teichen geraubte, aber der Markgraf mochte ja ohnehin keinen Fisch) garen im Feuer. Schwarz sind die Bäume vor Maikäfern...Der Salemer Tag begann mit dem traditionellen Morgenlauf, wurde im "Schulanzug" verbracht (blauer Pulli, Rock und Hose grau) und endete zehn vor neun mit dem "Zimmerappell" der "Zimmerführerin". Sie nahm es genau: "Was, nicht pünktlich? Ein Pümi." Die Strafen waren wie eine Währung gestaffelt: Für drei "Pünktlichkeitsminus" gab's ein "Ex", drei Ex wurden mit "Werkarbeit", zum Beispiel in der Küche, gesühnt, oder mit einem Straflauf rund um den Sportplatz. Die Salemer Internatswelt, der Vierzehnjährigen erschien es so, war wunderbar klar geordnet, nüchtern - man wußte, worauf man sich einließ: Kirschenklauen drei Tage Werkarbeit, Rhabarber nur einen Tag, Erdbeeren sechs Tage - immerhin.